Stephanie Geiger (43) ist seit Ihrer Kindheit in den Bergen unterwegs. Auch wenn sie sich heute oft nicht mehr an den Muskelkater nach den Touren erinnert, besonders gute Suppen, duftender Kaiserschmarrn oder Hüttenwirte, die am Abend das Brot für den nächsten Morgen gebacken haben, sind ihr noch immer im Gedächtnis. Und manche Rezepte, die sie sich von den Köchen auf den Hütten abgeschaut hat, bringt sie hin und wieder auch selbst zu Hause auf den Tisch. Berg- und Kochleidenschaft verbindet sie mit einem dritten Faible, dem Journalismus. 

Wie hat sich die Verpflegung auf den Alm- oder Schutzhütten in den letzten 10 Jahren verändert?

Die Verpflegung auf den Almen und Schutzhütten ist zunächst ganz klar wichtiger geworden. Wie das Thema Essen in unserem Alltag insgesamt eine größere Rolle spielt. Damit ist auch das Essen am Berg besser geworden. Die Hüttenwirte machen sich mehr Gedanken darüber, was sie anbieten. Der Deutsche Alpenverein hat vor vielen Jahren die Kampagne „So schmecken die Berge“ ins Leben gerufen, um lokal und regional erzeugte Lebensmittel mehr ins Bewusstsein zu rücken, um somit aber auch lange Transportwege zu vermeiden, die bergbäuerliche Kulturlandschaft zu erhalten und die regionale Wirtschaft zu fördern. 2015 hat der Gault Millau in Südtirol zum ersten Mal auch Berg- und Almhütten gekürt.

 

 

Früher war wichtig, dass man viele besondere Berggipfel erwandert hat. Mit welchen Erwartungen planen die Menschen heute Touren?

Gipfel locken Bergsteiger und Wanderer auch heute noch. Früher hatte man vielleicht ein Salamibrot dabei und gut war es. Heute gönnt man sich eher auch noch eine Einkehr. Was sich vielleicht verändert hat, ist, dass man in den vergangenen Jahren man durchaus feststellen konnte, dass Touren immer öfter auch nach den Hütten ausgewählt werden. Ich selbst hatte viele Jahre eine Rundtour, die ich einmal im Jahr gemacht haben, auch deshalb, weil das Essen auf der Hütte, auf der ich traditionell eine Pause eingelegt habe, so gut war. Vor ein paar Jahren hat der Wirt gewechselt. Und seither mache ich diese Tour wirklich nur noch, wenn mir nichts Besseres einfällt.

 

 

Hat das einfache Käsebrot also ausgedient?

Keinesfalls. Ich finde, es gab noch nie eine bessere Zeit für Käsebrot als heute, wo irgendwelche Bowls, leider häufig verkochte Suppen oder Salat aus der Plastikschale im Arbeitsalltag oft das Mittagessen der Wahl sind, weil es schnell geht. Finden Sie erst einmal ein richtig gutes Käsebrot. Ein Brot, das nach Brot schmeckt und aus dem Holzbackofen kommt, nicht diese Großbäckereien-Ware, darauf gute Butter, womöglich noch frisch gebuttert, und dazu einen würzigen Bergkäse – gibt es etwas Besseres zur Brotzeit? Ehrliches Essen aus dem echten Leben, ohne viel „Chichi“, das ist doch echter Luxus.

 

 

Oft heißt es „frische Buttermilch“ – kommt die mittlerweile längst vom Tal oder wird die häufig noch auf einer Alm gemacht?

Wenn die „frische Buttermilch“ frisch aus dem Tal ist, dann darf man auf der Alm niemandem einen Vorwurf machen. Das Lebensmittelrecht stellt da ganz klare Anforderungen. Und Hygienestandards sind auf dem Berg die gleichen wie im Tal. Der Verkauf von Rohmilch ist wegen EHEC verboten. Milch muss vor dem Verzehr erhitzt werden. Auch kuhwarme Milch, also Milch frisch aus dem Euter, gibt es auf einer Alm deshalb nicht.

 

Wenn Sie auf eine Alm kommen – was ist Ihre absolute Leibspeise?

 

Ach, ich bin da ziemlich pflegeleicht. Auf Expedition esse ich sogar diese spezielle Trockennahrung, die im Alubeutel mit etwas heißem Wasser angerührt werden muss, was wirklich nicht jedermanns Sache ist. Mir schmeckt das durchaus. Wenn ich aber auf einer Alm oder einer Berghütte die Wahl habe, dann entscheide ich mich am Ende meist doch immer für Knödel, wenn die auf der Karte stehen. Kaspressknödel, Speckknödel, Spinatknödel – mit zerlassener Butter, in einer kräftigen Suppe oder mit Salat, ganz egal, da bin ich flexibel. Ich finde, die Qualität der Knödel sagt viel über die Qualität der Hütte insgesamt.